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Urlaub


       

                

Reise der Kolpingsfamilien Kiel und Rostock           nach Masuren und Danzig vom 5. bis 12.9.2020

                                      

Aufgrund der langen Anfahrt von über 1000 km begann die von Kolpingbruder Bernhard Bresa organisierte Reise mit 15 Kieler Teilnehmern bereits zu nachtschlafender Zeit, um 3.00 Uhr, an der Heilig Kreuz Kirche in Elmschenhagen. Um 6.00 Uhr morgens schon sollte die Fahrt von Rostock weitergehen, wo weitere  26 Reisende zustiegen. Es ist schon die dritte gemeinsame Fahrt der Kolpingsfamilien Kiel und Rostock.

Nach relativ vielen Corona geschuldeten Pausen erreichten wir gegen 20.00 Uhr das Hotel Anneck in Sensburg/Mragowo an der Masurischen Seenplatte.  

Der folgende Tag führte uns zum Ort Heiligelinde mit der berühmten Wallfahrtskirche. Seinen Ruhm verdankt der Ort der Wallfahrtskirche Mariä Verkündigung, die um die Jahrhundertwende 17./18. Jahrhundert erbaut wurde. Schon im 14. Jahrhundert stand hier eine Kapelle, die auf den Sieg des Marschalls Plotzk über den litauischen Großfürsten Wittenis zurückzuführen war. Aus der Kapelle wurde später die Wallfahrtskirche. Die Bezeichnung Heiligelinde ist auf eine Legende zurückzuführen. Sie berichtet von einem in Rastenburg Verurteilten, der auf Intervention von „Unserer Lieben Frau“ ohne jegliche Schnitzkenntnisse eine aus Holz geschnitzte Figur ihres Kindes  anfertigte. Nachdem er wegen dieser Skulptur freigelassen wurde, befestigte er die Figur am Ast einer Linde.

Nur wenige Kilometer entfernt befindet sich das ehemalige 'Führerhauptquartier Wolfsschanze'. Während des 2. Weltkrieges gab es im Osten wie im Westen mehrere Führerhauptquartiere (FHQu). Die Wolfsschanze im Rastenburger Wald ist die gößte ihrer Art. Sie wurde ab April 1940 auf Befehl Adolf Hitlers von Dr. Fritz Todt (Organisation Todt) errichtet. Ausschlaggebend war hier die Nähe zur russischen Grenze. Am 22.6.1941 erfolgte der Überfall auf die Sowjetunion, das Unternehmen Barbarossa. Die Wolfsschanze war ein Städtchen für sich mit kompletter Infrastruktur. Die Anlage bestand aus 3 konzentrischen Sperrkreisen, wobei im inneren Kreis sich die Befehlsbunker mit bis zu 9 m starken Decken befanden. Die Bunker  wurden im Januar 1945 gesprengt.

Eins der bekanntesten touristischen Zentren in Masuren, überhaupt in Polen, ist Nikolaiken am Spierdingsee. Seiner malerischen Lage wegen wird es Masurisches Venedig genannt. Haupteinnahmequelle der Bewohner waren in der vortouristischen Zeit Fischerei, Holzfällerei, Flößerei und Holzhandel. Eine besondere Spezialität waren und sind geräucherte Maränen und Stintgerichte. Eine Sage erzählt, daß vor langer Zeit in den Gewässern ein gewaltiger Fisch, der Stinzhengst, wohnte, der die Fischer am Fischen hinderte. Auf ein göttliches Zeichen hin fertigten die Fischer ein stählernes Netz und fingen den Stinthengst. Es wurde Gericht gehalten und der Stinthengst wies darauf hin, daß, wenn er getötet würde, alle Fische sterben würden. Darauf hin wurde er zwar nicht getötet, aber auch nicht frei gelassen. Er wurde an die Brücke gebunden, wo er noch heute zu sehen ist.

In Eckertsdorf, nahe Sensburg, befindet sich das ehemalige Kloster der Altgläubigen. Eckertsdorf war eine von 11 Siedlungen der russisch-ultraorthodoxen Sekte der Altgläubigen, den Phillipponen. Die Phillipponen wurden im russischen Kaiserreich verfolgt und ließen sich wegen der liberalen preußischen Religionsgesetze in Masuren nieder. Sie bestritten ihren Lebensunterhalt mit Ackerbau und Viehzucht, sie waren auch geschickte Handwerker. Zum Ende des 2. Weltkrieges mit dem Einmarsch der Roten Armee kam das Ende der phillipponischen Gemeinde. Auch Eckertsdorf wurde polnischer Verwaltung unterstellt, die Phillipponen verließen Masuren.

In den Wäldern der Johannesburger Heide schlängelt sich der Fluß Krutina (Krutynia) mitten im Masurischen Landschaftspark. Eine verzauberte Landschaft und ganz der Natur überlassen. Eine 1,5 stündige Stakfahrt mit Booten der Stakergemeinschaft "Perkun" (Perkun war der Hauptgott des prussischen Göttertriumvirats) führte zum Krutinnensee und zurück. Vorbei an Schwänen in ihren Nestern, Enten, Haubentauchern Reihern und Eisvögeln. Start und Ziel war die Brücke über die Krutina mitten im Ort Krutyn.

Einer der politisch interessanten Eindrücke der Reise war ein Gespräch mit Angehörigen der Deutschen Minderheit in Allenstein. Wir erfuhren:         

Ø  Die Minderheit ist seit 1991 von polnisch staatlicher Seite anerkannt,  es sind  heute

    Doppelstaatsbürgerschaften möglich

Ø  Sie ist total überaltert, hat keinen Nachwuchs, da die Kinder und Enkel überwiegend in Deutschland leben

Zur Unterstützung ihrer Arbeit übergaben wir eine Spende. 

Die Weiterreise am Folgetag nach Danzig wurde unterbrochen durch eine Schifffahrt auf  einem Stück des Oberlandkanals.

Der Oberlandkanal befindet sich im Oberland Ermland-Masuren.

1844 - 1860 wurde er unter der Leitung des Kgl. Preußischen Baurats Georg Steenke aus Königsberg gebaut. Der Kanal  verbindet mehrere Seen und Städte von Ilawa 

(Deutsch  Eylau) bis zum Frischen Haff. Der Kanal ist insgesamt 129,8 m lang. Die besondere Attraktion sind die Rollberge, auf dem die Schiffe zur Bewältigung des Höhenunterschiedes von 99 m  auf  Schienenwagen über Land  transportiert werden.
Sie sind als Standseilbahnen ausgelegt, die von Wasserrädern ohne externe Energiezuführung angetrieben werden.

 

Der Tag setzte sich fort mit dem Bezug der Zimmer im sehr zentral gelegenen Mercure-Hotel in Danzig. Aufgrund der günstigen Lage erfolgten an diesem Tag die Erkundungen der Umgebung, geführt von ortskundigen ehemaligen Danzigern und von Mitreisenden, die wiederholt Danzig besuchten.  Wir sahen die wunderschöne Altstadt  an der Mottlau, div. touristische Sehenswürdigkeiten und Kirchen. Auch etliche Restaurants und Biergärten sind hier zu finden.

Der Folgetag startete mit einer Stadtführung. Vier offene Elektrobusse mit jeweils zehn Reisenden  erkundeten Danzig. Stationen waren hier u.a. die Danziger Werft, die untrennbar verbunden ist mit der Gewerkschaft „Solidarnoc“ und dem Namen Lech Walensa, natürlich das Große Zeughaus, die Hauptpost, bekannt durch den erbitterten Widerstand gegen die Deutschen Besatzer, die Große Mühle und das Grüne Tor, die Marienkirche am Langen Markt und die Birgittenkirche,      bekannt durch den Bernsteinaltar und der Gedenkstätte für den Flugzeugabsturz 2010 in Smolensk, dem mehrer prominente Regierungsmitglieder,u.a. Lech Kaczynski, zum Opfer fielen.

Am Nachmittag vertiefte man die vielfältigen Eindrücke noch durch weitere Besuche einiger Sehenswürdigkeiten bzw. noch anderer Ziele wie dem berühmten Krantor, dem Neptunbrunnen, der Langgasse. Selbstverständlich wurde auch die vielfältige Gastronomie in der Altstadt frequentiert.

Der letzte volle Tag in Danzig begann mit einer Fahrt nach Sopot mit der S-Bahn. Sopot ist ein Ostseebad in der Polnischen Woiwodschaft Pommern und profitiert heute wie damals vom Tourismus mit herrlichen Stränden und der bekannten und längsten Seebrücke Europas. 

Der Nachmittag fand seinen Höhepunkt mit einer Schifffahrt auf der Mottlau. Mit dem Nachbau einer Kogge fuhren wir bis zur Westerplatte mit ihrem Denkmal, das an den Beginn des 2. Weltkrieges am 1.9.1939 durch den Beschuss des Linienschiffes Schleswig Holstein erinnert. Die Westerplatte hat ihren deutschen Namen auch nach dem Krieg behalten. 

Bei einem letzten gemeinsamen Abendessen diskutierten wir noch einmal unsere Eindrücke und fanden: Gut so Bernhard, gerne wieder.

Für mich persönlich war Masuren eine Begegnung mit der Heimat meiner Mutter und meiner Großeltern, die im Januar 1945 Rastenburg verlassen mussten und sich auf den Treck Richtung Westen begaben. Meine Mutter war auch nach der Öffnung 1990 nicht zu einem gemeinsamen Besuch ihrer Heimat zu bewegen, sie war durch die Erlebnisse auf der Flucht immer noch traumatisiert. Die landschaftliche Schönheit Masurens zeigte 
mir auf dieser Reise welchen Verlust u.a. die Flüchtlinge erlitten.

Die Reise zeigte auf, dass auch in Corona-Zeiten die  Begegnung mit anderen Menschen möglich und wünschenswert ist. Wir müssen mit Corona leben, eingraben hilft und nützt niemand. Verantwortungsvoller Umgang mit der Pandemie zeigte, das Reisen, wenn auch eingeschränkt, im Rahmen der Vorgaben und  Vorschriften möglich ist.

Martin Bünning

  

Bilder: Maria Struck